Wirtschaft, Sicherheit, Migration und internationale Krisen im Mittelpunkt des Treffens mit Präsident Erdoğan
Bundeskanzler Christian Stocker hat bei seinem offiziellen Besuch in Ankara für eine pragmatische und enge Zusammenarbeit zwischen Österreich und der Türkei geworben. Im Mittelpunkt seines Treffens mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan standen die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, die Sicherheits- und Migrationspolitik sowie die aktuellen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten.
Stocker wurde auf seiner Reise von Infrastrukturminister Peter Hanke und dem Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer Österreich, Wolfgang Hesoun, begleitet.
Zu Beginn seines Besuchs legte der Bundeskanzler am Denkmal „Anitkabir“ in Ankara einen Kranz am Sarkophag des Gründers der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, nieder und trug sich in das „Goldene Buch“ ein.
Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Erdoğan betonte Stocker die historisch gewachsenen Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei. Gleichzeitig verwies er auf die enge wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenarbeit beider Länder.
Besonders hob der Bundeskanzler die Rolle der in Österreich lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln hervor. Rund 300.000 Menschen mit Wurzeln in der Türkei leben heute in Österreich. Sie würden eine wichtige Brücke zwischen beiden Ländern bilden und einen bedeutenden Beitrag zu Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft leisten.
Wirtschaftsbeziehungen mit großem Potenzial
Ein weiterer Schwerpunkt des Besuchs waren die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Das Handelsvolumen zwischen Österreich und der Türkei liegt bei knapp 5 Milliarden Euro. Mehr als 250 österreichische Unternehmen sind in der Türkei aktiv und investieren laut Österreichischer Nationalbank rund 1,4 Milliarden Euro im Land.
Auch der Tourismus spielt eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr reisten rund 500.000 Österreicherinnen und Österreicher in die Türkei. Gleichzeitig besuchten etwa 200.000 türkische Staatsbürger Österreich.
Bei einem hochrangigen Business-Roundtable wurden weitere Möglichkeiten zur Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit besprochen. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur, die Güterlogistik, der Schienenverkehr sowie Kooperationen in den Bereichen Flugverkehr, automatisiertes Fahren und Technologietransfer.
Auch das seit Jahrzehnten bestehende Luftverkehrsabkommen zwischen Ankara und Wien soll verlängert und an die aktuellen Bedingungen angepasst werden.
„Trotz geopolitisch sehr herausfordernder Umstände liegt das türkische Wirtschaftswachstum deutlich über dem OECD-Schnitt. Das birgt auch enorme Chancen für unsere heimische Wirtschaft.“
Bundeskanzler Christian Stocker
Die türkische Wirtschaft verzeichnete 2025 ein Wachstum von rund 3,5 bis 3,6 Prozent. Österreich sieht daher weiteres Potenzial für seine Unternehmen. Experten erwarten bis 2030 ein zusätzliches Exportpotenzial von rund 1,2 Milliarden Euro.
Türkei wichtiger Partner bei Sicherheit und Migration
Auch die Themen Sicherheit und Migration standen bei den Gesprächen in Ankara weit oben auf der Agenda.
Stocker bezeichnete die Türkei als einen „besonders zentralen und geschätzten Partner“ Österreichs und der Europäischen Union. Beide Länder arbeiten unter anderem bei der Bekämpfung illegaler Migration, organisierter Kriminalität, Menschenhandel und Terrorismus zusammen.
Der Bundeskanzler würdigte zudem die Rolle der Türkei bei der Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen, insbesondere der seit mehr als einem Jahrzehnt im Land lebenden syrischen Flüchtlinge.
Für den Herbst ist ein weiterer Besuch von Innenminister Gerhard Karner in Ankara geplant. Damit soll die Zusammenarbeit in den Bereichen Migration und Rückführungen weiter vertieft werden.
Stocker betonte zugleich, dass Österreich zuletzt mehr Außerlandesbringungen als neue Asylanträge verzeichnet habe. Auch bei der Rückführung von Drittstaatsangehörigen dankte er der Türkei für die Zusammenarbeit.
„Die europäischen Fehler aus 2015 dürfen und werden sich nicht wiederholen.“
Bundeskanzler Christian Stocker
Türkei als wichtiger Akteur bei Ukraine und Nahost
Auch die internationalen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten waren Gegenstand der Gespräche.
Stocker bezeichnete die Türkei als einen „entscheidenden Schlüsselakteur in vielen außen- und sicherheitspolitischen Fragen“. Die Bedeutung Ankaras als Vermittler bei internationalen Konflikten nehme zunehmend zu.
Österreich unterstütze die türkischen Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg, erklärte der Bundeskanzler. Beide Seiten seien sich einig, dass der russische Angriffskrieg möglichst rasch beendet werden müsse.
Auch hinsichtlich der angespannten Lage im Nahen und Mittleren Osten komme der Türkei eine wichtige Rolle zu. Stocker verwies auf die Bedeutung von Diplomatie und Dialog und dankte Präsident Erdoğan für dessen Vermittlungsbemühungen.
Der Bundeskanzler bekräftigte zudem seine Forderung nach einer dauerhaften Öffnung der Straße von Hormus, um die Freiheit der Schifffahrt im Einklang mit dem Völkerrecht sicherzustellen.
Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit angesprochen
Neben wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen wurden auch Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Medienfreiheit thematisiert.
Stocker machte deutlich, dass diese Themen für Österreich und die Europäische Union nicht verhandelbar seien.
„Teil eines konstruktiven und pragmatischen Dialogs ist es auch, schwierige Themen offen anzusprechen.“
Gleichzeitig wolle Österreich den Dialog mit der Türkei sowohl auf bilateraler Ebene als auch innerhalb der Europäischen Union weiterführen.
Zum Abschluss seines Besuchs bedankte sich Stocker bei Präsident Erdoğan für die Gastfreundschaft und den offenen Austausch.
„Gerade in Zeiten multipler Krisen ist eine enge, pragmatische Partnerschaft zwischen unseren Ländern wichtiger denn je.“
Bundeskanzler Christian Stocker
Wirtschaft, Sicherheit, Migration und internationale Krisen im Mittelpunkt des Treffens mit Präsident Erdoğan
Bundeskanzler Christian Stocker hat bei seinem offiziellen Besuch in Ankara für eine pragmatische und enge Zusammenarbeit zwischen Österreich und der Türkei geworben. Im Mittelpunkt seines Treffens mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan standen die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, die Sicherheits- und Migrationspolitik sowie die aktuellen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten.
Stocker wurde auf seiner Reise von Infrastrukturminister Peter Hanke und dem Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer Österreich, Wolfgang Hesoun, begleitet.
Zu Beginn seines Besuchs legte der Bundeskanzler am Denkmal „Anitkabir“ in Ankara einen Kranz am Sarkophag des Gründers der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, nieder und trug sich in das „Goldene Buch“ ein.
Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Erdoğan betonte Stocker die historisch gewachsenen Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei. Gleichzeitig verwies er auf die enge wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenarbeit beider Länder.
Besonders hob der Bundeskanzler die Rolle der in Österreich lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln hervor. Rund 300.000 Menschen mit Wurzeln in der Türkei leben heute in Österreich. Sie würden eine wichtige Brücke zwischen beiden Ländern bilden und einen bedeutenden Beitrag zu Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft leisten.
Wirtschaftsbeziehungen mit großem Potenzial
Ein weiterer Schwerpunkt des Besuchs waren die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Das Handelsvolumen zwischen Österreich und der Türkei liegt bei knapp 5 Milliarden Euro. Mehr als 250 österreichische Unternehmen sind in der Türkei aktiv und investieren laut Österreichischer Nationalbank rund 1,4 Milliarden Euro im Land.
Auch der Tourismus spielt eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr reisten rund 500.000 Österreicherinnen und Österreicher in die Türkei. Gleichzeitig besuchten etwa 200.000 türkische Staatsbürger Österreich.
Bei einem hochrangigen Business-Roundtable wurden weitere Möglichkeiten zur Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit besprochen. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur, die Güterlogistik, der Schienenverkehr sowie Kooperationen in den Bereichen Flugverkehr, automatisiertes Fahren und Technologietransfer.
Auch das seit Jahrzehnten bestehende Luftverkehrsabkommen zwischen Ankara und Wien soll verlängert und an die aktuellen Bedingungen angepasst werden.
„Trotz geopolitisch sehr herausfordernder Umstände liegt das türkische Wirtschaftswachstum deutlich über dem OECD-Schnitt. Das birgt auch enorme Chancen für unsere heimische Wirtschaft.“
Bundeskanzler Christian Stocker
Die türkische Wirtschaft verzeichnete 2025 ein Wachstum von rund 3,5 bis 3,6 Prozent. Österreich sieht daher weiteres Potenzial für seine Unternehmen. Experten erwarten bis 2030 ein zusätzliches Exportpotenzial von rund 1,2 Milliarden Euro.
Türkei wichtiger Partner bei Sicherheit und Migration
Auch die Themen Sicherheit und Migration standen bei den Gesprächen in Ankara weit oben auf der Agenda.
Stocker bezeichnete die Türkei als einen „besonders zentralen und geschätzten Partner“ Österreichs und der Europäischen Union. Beide Länder arbeiten unter anderem bei der Bekämpfung illegaler Migration, organisierter Kriminalität, Menschenhandel und Terrorismus zusammen.
Der Bundeskanzler würdigte zudem die Rolle der Türkei bei der Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen, insbesondere der seit mehr als einem Jahrzehnt im Land lebenden syrischen Flüchtlinge.
Für den Herbst ist ein weiterer Besuch von Innenminister Gerhard Karner in Ankara geplant. Damit soll die Zusammenarbeit in den Bereichen Migration und Rückführungen weiter vertieft werden.
Stocker betonte zugleich, dass Österreich zuletzt mehr Außerlandesbringungen als neue Asylanträge verzeichnet habe. Auch bei der Rückführung von Drittstaatsangehörigen dankte er der Türkei für die Zusammenarbeit.
„Die europäischen Fehler aus 2015 dürfen und werden sich nicht wiederholen.“
Bundeskanzler Christian Stocker
Türkei als wichtiger Akteur bei Ukraine und Nahost
Auch die internationalen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten waren Gegenstand der Gespräche.
Stocker bezeichnete die Türkei als einen „entscheidenden Schlüsselakteur in vielen außen- und sicherheitspolitischen Fragen“. Die Bedeutung Ankaras als Vermittler bei internationalen Konflikten nehme zunehmend zu.
Österreich unterstütze die türkischen Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg, erklärte der Bundeskanzler. Beide Seiten seien sich einig, dass der russische Angriffskrieg möglichst rasch beendet werden müsse.
Auch hinsichtlich der angespannten Lage im Nahen und Mittleren Osten komme der Türkei eine wichtige Rolle zu. Stocker verwies auf die Bedeutung von Diplomatie und Dialog und dankte Präsident Erdoğan für dessen Vermittlungsbemühungen.
Der Bundeskanzler bekräftigte zudem seine Forderung nach einer dauerhaften Öffnung der Straße von Hormus, um die Freiheit der Schifffahrt im Einklang mit dem Völkerrecht sicherzustellen.
Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit angesprochen
Neben wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen wurden auch Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Medienfreiheit thematisiert.
Stocker machte deutlich, dass diese Themen für Österreich und die Europäische Union nicht verhandelbar seien.
„Teil eines konstruktiven und pragmatischen Dialogs ist es auch, schwierige Themen offen anzusprechen.“
Gleichzeitig wolle Österreich den Dialog mit der Türkei sowohl auf bilateraler Ebene als auch innerhalb der Europäischen Union weiterführen.
Zum Abschluss seines Besuchs bedankte sich Stocker bei Präsident Erdoğan für die Gastfreundschaft und den offenen Austausch.
„Gerade in Zeiten multipler Krisen ist eine enge, pragmatische Partnerschaft zwischen unseren Ländern wichtiger denn je.“
Bundeskanzler Christian Stocker
