Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfing den österreichischen Bundeskanzler Christian Stocker bei dessen Besuch in der Türkei in Ankara mit einem offiziellen Empfang. Bei dem Treffen der beiden Staatsmänner wurden die Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich, Handel, die Europäische Union, irreguläre Migration, Gaza, Syrien sowie regionale Entwicklungen erörtert.
Präsident Erdoğan empfing den österreichischen Bundeskanzler Christian Stocker am Haupteingang des Präsidialkomplexes in Ankara. Nachdem Erdoğan und Stocker auf dem Zeremonienplatz ihre Plätze eingenommen hatten, wurden die Nationalhymnen beider Länder gespielt.
Bei der Zeremonie waren Flaggen und Soldaten vertreten, die die 16 historischen türkischen Staaten symbolisieren. Während des Empfangs wurden 21 Salutschüsse abgefeuert. Bundeskanzler Stocker begrüßte die Ehrenformation der Präsidentengarde mit den Worten „Merhaba asker“ („Hallo, Soldaten“). Anschließend stellten die beiden Staatsmänner ihre Delegationen vor.
An der Zeremonie nahmen unter anderem der türkische Außenminister Hakan Fidan, Handelsminister Ömer Bolat, Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloğlu, der Präsident des Kommunikationsamtes der türkischen Präsidentschaft Burhanettin Duran, der außen- und sicherheitspolitische Chefberater des Präsidenten Akif Çağatay Kılıç sowie der Gouverneur von Ankara, Yakup Canbolat, teil.
Stocker: „Die Türkei ist ein strategisch wichtiger Partner“
Nach dem Treffen erklärte Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker, dass die Gespräche mit Präsident Erdoğan äußerst positiv verlaufen seien.
Stocker betonte, dass die Türkei für Österreich und die Europäische Union wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und geopolitisch ein strategisch wichtiger Partner sei. Er erklärte, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter ausgebaut werden sollten.
Der österreichische Bundeskanzler verwies darauf, dass für österreichische Unternehmen bis 2030 ein Exportpotenzial von 1,2 Milliarden Euro in der Türkei bestehe.
Auch im Kampf gegen irreguläre Migration und bei Rückführungen sei die Türkei ein wichtiger Partner, erklärte Stocker. Die Zusammenarbeit in diesem Bereich solle weiter ausgebaut werden.
Stocker betonte zudem, dass die Türkei bei globalen Krisen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den Entwicklungen im Nahen Osten, eine wichtige Rolle als Vermittler spiele. Er verwies dabei auf das besondere internationale Gewicht der Türkei.
Der österreichische Bundeskanzler erklärte, dass eine „pragmatische und konstruktive Zusammenarbeit“ im Interesse beider Länder liege, und dankte Präsident Erdoğan für die Gastfreundschaft.
Erdoğan: „Wir werden das Ziel von 5 Milliarden Dollar Handelsvolumen erreichen“
Präsident Recep Tayyip Erdoğan erklärte nach dem Treffen, dass er sich freue, Bundeskanzler Christian Stocker bei dessen erstem Besuch in der Türkei als Bundeskanzler in Ankara empfangen zu haben.
Erdoğan betonte, dass die Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich in der vergangenen Zeit eine positive Dynamik entwickelt hätten. Er zeigte sich erfreut darüber, dass sich diese positive Entwicklung auch in den wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen widerspiegele.
Das Handelsvolumen zwischen der Türkei und Österreich habe 2025 etwa 4,5 Milliarden US-Dollar erreicht, erklärte Erdoğan. Er zeigte sich zuversichtlich, dass beide Länder in diesem Jahr das Ziel eines Handelsvolumens von 5 Milliarden US-Dollar erreichen werden.
Erdoğan erklärte außerdem, dass die Einrichtung eines Gemeinsamen Wirtschafts- und Handelsausschusses anstelle des bisherigen Mechanismus der Gemischten Wirtschaftskommission für die Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wesentlich vorteilhafter wäre.
Erdoğan erklärte, dass das erste Treffen dieses Ausschusses noch vor Ende dieses Jahres stattfinden solle.
Beziehungen zwischen Türkei und EU sowie Visafreiheit angesprochen
Bei dem Treffen wurden auch die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union erörtert. Erdoğan erklärte, dass insbesondere eine Modernisierung der Zollunion und Fortschritte beim Dialog über die Visaliberalisierung im gemeinsamen Interesse der Türkei und Europas lägen.
Auch über regionale und globale Entwicklungen sei ein Meinungsaustausch erfolgt, erklärte Erdoğan. Dabei betonte er, dass die Türkei großen Wert darauf lege, dass Österreich einen Beitrag zum Wiederaufbau Syriens leiste.
Botschaften zu Gaza und zum Balkan
Erdoğan erklärte, dass auch die humanitäre Lage im Gazastreifen Gegenstand der Gespräche gewesen sei. Insbesondere die Frage, dass humanitäre Hilfe die Menschen in Gaza weiterhin ununterbrochen erreichen müsse, behalte angesichts der aktuellen Bedingungen ihre Bedeutung. Auch Bundeskanzler Stocker messe diesem Thema besondere Bedeutung bei.
Die Türkei und Österreich legten großen Wert auf die Aufrechterhaltung der Stabilität auf dem Balkan, erklärte Erdoğan. Beide Länder hätten ein großes Interesse daran, ihre Zusammenarbeit bei regionalen und globalen Fragen weiterzuentwickeln.
Das Treffen in Ankara wurde als wichtiger Kontakt bewertet, um die politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich auf eine weiterführende Ebene zu bringen.
