Ein Arzttermin beim Wahlarzt wird in Österreich zunehmend zur finanziellen Belastung. Eine aktuelle Kostenanalyse von krankenversichern.at, basierend auf 1.590 Datensätzen aus ganz Österreich, zeigt: 150 Euro gelten mittlerweile als faktische Untergrenze für eine private Facharztkonsultation.
Laut der Untersuchung liegt das durchschnittliche Honorar für eine Erstordination bei 187 Euro. Besonders kostenintensiv ist apparative Medizin. MRT-Untersuchungen schlagen im Schnitt mit 268 Euro pro Termin zu Buche. Auch Fachrichtungen mit längerer Beratungsdauer überschreiten deutlich die 200-Euro-Marke: Urologische Untersuchungen kosten durchschnittlich 237 Euro, kardiologische Termine rund 211 Euro.
Doch auch klassische Disziplinen sind längst kein „günstiger“ Ausweg mehr. Für eine gynäkologische Untersuchung werden im Schnitt 202 Euro verrechnet, für eine internistische 181 Euro. Gleichzeitig wächst die Differenz zwischen Wahlarzt-Honoraren und den Rückerstattungen der gesetzlichen Krankenkassen.
Vorsorge summiert sich rasch auf über 500 Euro
Wie teuer selbst eine routinemäßige Gesundheitsvorsorge geworden ist, verdeutlicht ein typisches Jahresbeispiel:
- Muttermalkontrolle: 149 Euro
- Augenfachärztliche Untersuchung: 172 Euro
- Orthopädischer Termin im Rahmen der Sportmedizin: 178 Euro
Allein diese drei Termine ergeben rund 500 Euro pro Jahr. Kommt zusätzlich eine MRT-Untersuchung hinzu, steigt der Gesamtbetrag auf über 760 Euro.
Private Krankenversicherung als Alternative
Für Personen, die mehrmals jährlich ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen, kann eine private Krankenversicherung wirtschaftlich sinnvoller sein als Einzelzahlungen. Laut Analyse beginnen entsprechende Tarife bei rund 70 Euro monatlich.
Sebastian Arthofer betont, dass sich die Rolle privater Absicherungen verändert habe. Angesichts langer Wartezeiten im öffentlichen System werde die private Zusatzversicherung zunehmend als notwendige Ergänzung wahrgenommen. Medizinische Leistungen seien schneller verfügbar – allerdings zu einem klar definierten Preisniveau.
Als Hauptgründe für die steigenden Kosten nennt die Studie Zeit und Technologie. Während Kassenärzte oft nur wenige Minuten pro Patient aufbringen können, dauern Wahlarzt-Termine häufig 30 bis 60 Minuten. Zudem erfordern moderne Diagnosegeräte wie MRT oder CT hohe Investitionen, die ohne Kassenvertrag vollständig privat finanziert werden müssen.
Die wirtschaftliche Realität sei eindeutig: Wer Wartezeiten umgehen will, müsse derzeit mit einer Eintrittsschwelle von rund 150 Euro pro Termin rechnen.
